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Soft & Quiet (Filmkritik)

Emily (Stefanie Estes) ist Pädagogin in einem Kindergarten und auf dem Weg zu einem Gruppentreffen. Sie hat ein paar Damen zu einem Pläuschen mit Süßspeisen eingeladen, um zu diskutieren, was in Welt falsch läuft und wie man sich dagegen wehren kann bzw. welche Möglichkeiten sie haben, um nicht weiterhin Opfer zu sein, sondern aktiv dagegen vorzugehen.

Die meisten in der Runde kennen sich noch nicht so richtig, also beginnt es mit einer Vorstellrunde und nach und nach kommt ans Tageslicht, was die Damen denn als Bedrohung sehen und was sie gern tun möchten. Das bekommt auch der Pfarrer mit, verweist sie mehr oder weniger des Hauses, was dazu führt, dass die Gruppe zum Geschäft von Kim (Dana Millican) fährt, die auch Teil der Gruppe ist, um sich ein paar Flaschen Wein zu holen und dann den Abend bei Emily zuhause weiterzuführen.

Aber dann betreten zwei andere Damen das Geschäft und die Sache beginnt so richtig zu eskalieren …

Um es gleich vorweg zu sagen: „Soft & Quiet“ ist der verstörendste Film den ich seit Jahren gesehen habe. Und das mag was heißen. Und der Titel des Films passt perfekt. Es beginnt recht ruhig und besonnen und fast entspannt. Dann kommt der erste kleine Twist, nämlich als man dank eines Apfelkuchens bemerkt, was für eine Versammlung das hier ist. Dann kommen die Geschichten der Damen dazu und ich wurde langsam aber sicher immer unruhiger. Als dann die Truppe in das Geschäft von Kim kommt und die beiden Damen, Lily (Cissy Ly) und Maria (Jovita Molina), dazu stoßen, da kam der nächste Schlag in die Magengrube. Und dann … nun, dann gerät das alles außer Kontrolle. Als dann Emilys Ehemann Craig (Jon Beaver) dazu kommt, da dachte ich, vielleicht kann der das Ruder herumreißen, denn der wirkt noch halbswegs in Ordnung, aber auch diese Hoffnung ist rasch weg gewesen.

Ich will keine Spoiler verbreiten, denn dieser Film hier erzielt seine Wirkung wirklich am besten, wenn man ihn ohne große Vorkenntnisse sieht. Was wichtig ist, ist zu wissen, dass er langsam beginnt, viele Dialoge, viel Gespräche, viel Weltanschauung. Das muss man aushalten und durch, denn die großen Kracher folgen. Sicher – alles was folgt baut auf den Dingen auf, die vorher gesagt wurde, aber ich war dennoch nicht darauf vorbereitet, wie konsequent die Drehbuchautorin und Regisseurin Beth de Araujo ihre Story durchzieht.

Mir war schlecht. Wirklich. Am Ende des Films war mir körperlich übel. Ich hatte eigentlich vorgehabt mir, weil „Schocktober“ und so, einen netten Horrorfilm anzusehen, ohne viel nachdenken zu müssen, aber dieser Film hier, nun, der hat mich kalt erwischt.

Auch wichtig zu erwähnen ist die Art wie der Film gedreht wurde: Er ist im Grunde genommen ein durchgehender Take. Sicher gibt es, wie ich vermute, versteckte Schnitte, aber die sind so gut gemacht, dass sie nicht auffallen und es fühlt sich die gesamte Zeit über so an, als wäre man hautnah an der Gruppe, primär natürlich Emily. Allein die schauspielerischen Leistungen, genauso wie die der Kamerafrau und der Regie (wie oft muss man so einen Herkulesdreh üben, bevor man sich drübertraut?), sind einfach ein Wahnsinn. Also rein auf technischer Ebene bin ich komplett sprachlos gewesen, was die da durchgezogen haben.

Und das hat auch den Effekt, dass die Ereignisse zu einhundert Prozent organisch ineinandergreifen. Es gibt keine Sprünge, sondern alles folgt aufeinander ohne irgendwie eine Hürde durch Zeitsprünge, Schnitte oder was auch immer, zu bauen. Man ist also „live“ dabei, wie die Situation nach und nach eskaliert. Und bei späteren Szenen bin ich einfach nur da gesessen, habe mit Grauen beobachtet, was da noch vor sich geht und konnte teilweise nicht glauben, was gerade passiert.

Der Film ist nicht blutig, es gibt zwar viele Stellen, die psychisch schwer auszuhalten sind, aber Blut oder Gore oder ähnliches kommen nicht vor. Es liegt also nicht an der Darstellung der Situationen, die alles was passiert so schockiernd machen, sondern es ist schlichtweg das, was passiert. Die Abgebrühtheit einzelner Figuren, die Reaktionen von anderen Figuren, die Dialoge dazwischen und überhaupt … ich habe nicht gesehen, wo das hinführt und konnte es bis zum Ende nicht glauben … weil es so realistisch und möglich ist.

Natürlich beginnt der Film bereits in einer Art und Weise, bei der ich mir dachte, dass irgendwas nicht rund läuft: Emily kommt aus dem Kindergarten, ein Schüler sitzt am Gehsteig, weil seine Mutter sich etwas verspätet und Emily setzt sich zu ihm. Dann weist sie ihn darauf hin, dass er der Putzfrau sagen soll, dass sie ihren Job besser machen soll, denn sie habe den Boden vor ihm gewischt, als er das Gebäude verlassen hat und er hätte ausrutschen und sich verletzen können. Einerseits stimmt das nicht, denn wir sehen die Putzfrau, wie sie den Kindergarten betritt als Emily rausgeht, und da sitzt der Junge bereits draußen. Andererseits ist ihre Wortwahl, nun, eigen. Auch die Mutter des Sohnes ist ein bissichen irritiert, bedankt sich aber bei Emily und die beiden ziehen von dannen. Die beiden kommen nicht mehr vor, aber es zeigt bereits im Vorfeld, was danach kommen wird. Eine der Aussagen der Damenrunde ist „Wir müssen uns an Stellen positionieren, an denen wir die öffentliche Meinung und vor allem die Kinder in die richtige Richtung beeinflussen können“. Emily geht da mit gutem Beispiel voran.

Wie dem auch sei: Ich will gar nicht mehr dazu schreiben und ich will auch nicht näher ins Detail gehen. Ich sage nur: Wer einen schlechten Tag hat, der oder die sollte um diesen Film hier einen großen Bogen machen. Um es zu wiederholen: Der Film ist in seiner realistischen Darstellung der Handlungen und auch Ansichten streckenweise fast nicht auszuhalten. Einfach, weil er so „real“ ist.

Stellt sich die Frage, ob ich diesen Film hier jemanden empfehlen kann … ich weiß es nicht. Mir fallen einige Leute ein, die ihn unbedingt sehen sollten, glaube aber, dass diese Art von Mensch nicht unbedingt zu dieser Art von Film passt. Ich denke nur an eine Vorführung im Kino als ein paar Reihen hinter mir Leute applaudiert haben als in „Schindler’s Liste“ das Ghetto geräumt wurde. Da wird mir auch heute noch schlecht, wenn ich daran denke.

Ich kann nicht mal sagen ob es ein wichtiger Film ist. Nichts in dem Film ist per se neu. Nichts an ihm ist per se irgendwie besonders. Aber die Art wie der gemacht ist und wie er einfach zeigt, anstatt zu kommentieren ist … heftig. Aufreibend. Aufwühlend.

Und ich denke, dass dies genau der Anspruch war, den die Macher:innen hatten. Und nochmals: Respekt vor den technischen und schauspielerischen Leistungen. Wahnsinn. Ein Wahnsinn.

Was mir gut gefallen hat, war das letzte Bild des Films. Da gibt es den Funken einer Hoffnung. Auch wenn es nur ein Funken ist: Der war wichtig für mich, sonst hätte ich mich tatsächlich vermutlich übergeben müssen. So hatte ich ein kleines, vielleicht ein bisschen gehässiges, Grinsen im Gesicht. Das hat alles vorhergehende nicht relativiert, aber zumindest hatte ich das Gefühl, dass da noch was kommen kann. Und das hätte ich zwar gerne auch gesehen, aber allein die Bilder, die dadurch in meinem Kopf entstanden sind, haben mich zumindest ein kleines bisschen beruhigt.

Aber macht euch keine Illusionen: Es gibt zwar keine übernatürlichen Monster in diesem Film, aber es ist trotzdem ein Horrorfilm.

„Soft & Quiet“ bekommt von mir 9 von 10, verstörende, beunruhigende, aufwühlende und schockierte, Punkte.

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