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Jarhead - Willkommen im Dreck

"Born to Kill" hat Sgt. Joker in Full Metal Jacket auf seinen Helm geschrieben. Dazu trägt er ein Friedenszeichen auf der Weste. Von einem Offizier darauf angesprochen, antwortet er, "Es soll etwas über die Dualität des Menschen aussagen... die Sache mit Jung...". Sgt. Joker ist sich der Absurdität seines Soldatendaseins bewußt. Am Ende von Full Metal Jacket gewinnt der Spruch auf Sgt. Jokers Helm.
In Jarhead - Willkommen im Dreck bewahrheitet sich der Spruch nicht. Die Soldaten verlieren trotzdem. Der Regisseur Sam Mendes (American Beauty, Road to Perdition) schafft mit Jarhead einen würdigen Nachfolger der Frontberichte aus Vietnam und bringt eine entwaffnende Analyse des Soldaten im Jahrzehnt der Irakkriege. Und das ohne einen einzigen Schuß abzugeben.

Anthony Swofford (Jake Gyllenhaal, Donnie Darko, The Day after Tomorrow) meldet sich 1989 mit 18 Jahren zum Dienst im US Marine Corps. Sein Vater und sein Onkel waren in Vietnam und nun fühlt er sich ihnen verpflichtet. Tatsächlich würde er wohl lieber Moderne Literatur auf dem College studieren. Die Grundausbildung ist eine fast exakte Kopie aus Full Metal Jacket und am Ende verläßt er sie als Scharfschütze unter dem Kommando des toughen Staff Sgt. Sykes (Jamie Foxx, Ray, Collateral). Die meisten seiner Kameraden sind eher einfache Gemüter, zum Teil vorbestraft. Sein Kamerad Troy (Peter Sarsgaard, Flight Plan, Garden State) ist der heimliche Anführer und ruhende Pol seines Zuges und als 1991 die Meldung von der irakischen Invasion in Kuwait im TV läuft, ist er der erste, der die Möglichkeit wittert, endlich das erlernte am lebenden Objekt auszuprobieren. Denn darum geht es ihnen als Scharfschützengespann, das Töten, der eine Schuß. Wenig später fliegen sie in den Irak, wo sie mitten in der Wüste ihr Lager aufschlagen. Schnell macht sich eine alles betäubende Lethargie breit. Der Tagesablauf liest sich wie folgt: Masturbation, Briefe von zuhause lesen, Masturbation, Wasser trinken, Briefe von zuhause auf Hinweise, ob die Freundin einen schon betrogen hat, lesen, Masturbation, Wasser trinken, Masturbation... Die Langeweile ist der einzige Feind und die von den Offizieren angeheizte Aggression ist kaum zu unterdrücken. Vom Krieg sehen sie nur die Trümmer und der einzig nennenswerte Angriff kommt durch sogenanntes "friendly fire" zustande.


Es ist ein furchtbar deprimierendes Bild, das hier von den Streitkräften gezeichnet wird. In der einen oder anderen Rezension zum Film konnte man den Vorwurf lesen, der Film beziehe keinen klaren Standpunkt. Ganz im Gegenteil, in Apocalypse Now oder Platoon mußten die Soldaten noch töten, um zu beweisen, daß Krieg nur das Schlechteste im Menschen hervorbringt. Jarhead schafft das ohne seine Soldaten in echte Kriegshandlungen zu schicken. Die extatischsten Szenen mit den jungen Soldaten sind zugleich die deprimierendsten. Wenn sie z.B. noch in der Heimatkaserne die Hubschrauberszene aus Apocalypse Now schauen und völlig aufgekratzt Wagners Walkürenritt mitgrölen. Oder wenn sie nach Ende des Krieges ums Feuer tanzen und sinnlos in den Nachthimmel ballern. Genau dann zeigt die Hirnwäsche während der Ausbildung zur Kampfmaschine ihre häßlichste Seite bei den jungen Soldaten. Ihnen wird eingeredet, sie seien unbesiegbare Kampfmaschinen, müßten töten. Dies verinnerlichen sie nahezu unreflektiert. Es wird für sie zum einzigen Ziel, ganz egal wer oder was da als Feind auf sie wartet. Mit jedem weiteren Tag in der Wüste mit der ständig geschürten Aggression gegen die "Kamelficker", der sexuellen Frustration und der Ungewissheit, was einen erwartet, wächst die Verrohung. Die einen schießen auf die Kamele der Beduinen, die anderen vergreifen sich an den Leichen, die die Bomber der Air Force zurücklassen.
Als der Krieg dann endlich auch für sie ausbricht, wird ihnen schnell bewußt, daß ihr Job in Zeiten "moderner" Kriegsführung mit lasergesteuerten Bomben überflüssig geworden ist. Was bleibt, ist die Frustration darüber, daß der Krieg zuende ging ohne einen einzigen Schuß abgegeben zu haben, geschweige denn "jemanden" gekillt zu haben.


Für mich steht Jarhead ebenbürtig in der Tradition der Antikriegsklassiker wie Full Metal Jacket, Apocalypse Now & Platoon. Nicht nur, daß er sie großzügig zitiert, der Film schafft es die testosteron geschwängerte Faszination, die von der Kriegsmaschinerie ausgeht (siehe Walkürenritt und Napalminferno), für wirkungsvolle Bilder auszunutzen ohne sich dem Verdacht des patriotisch verschwurbelten Pathos auszusetzen (siehe Black Hawk Down).
Ein bedrückender aber empfehlenswerter Einstieg in das neue Kinojahr.

Jarhead - Offizielle Website
Jarhead bei imdb.com



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