Get Even More Visitors To Your Blog, Upgrade To A Business Listing >>

Wird es „unverantwortlich, selbst zu fahren“?

Auf der von Opel und WIRED veranstalteten Zukunftskonferenz diskutierten Experten die Frage: „Autonomes Fahren – Was ist das Versprechen, die Ethik und Ästhetik dieser völlig neuen Mobilität?“ Mit von der Partie waren Professor Dr. Andreas Herrmann von der Universität St. Gallen, Burkhard Milke, Direktor Elektrische Systeme bei Opel, Dr. Janina Loh, Technikphilosophin von der Universität Wien und Dr. Lena Rittger, Projektleiterin Driver Performance EE Advanced Technology bei Opel.

Dr. Lena Rittger berichtete, dass sie in Tests jetzt schon beobachte, wie Autofahrer Vertrauen zum Fahrzeug aufbauen und sich – teilweise zu sehr – auf Assistenzsysteme verlassen. Aktuell forsche Opel an der Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Wie lässt sich beispielsweise die Herausforderung lösen, wenn beim autonomen Fahren der Fahrer plötzlich selbst wieder aktiv eingreifen muss? Generell gelte, dass die meisten Fahrer am liebsten einsteigen und direkt losfahren wollen. Sprich: Das Auto sollte intuitiv bedienbar sein. Im Umkehrschluss bedeute dies, die Modelle erst Schritt für Schritt autonomer zu entwickeln und die Fahrer so stufenweise die Kontrolle abgeben zu lassen. Um eine möglichst große heterogene Gruppe mit der neuen Technik zu erreichen, überlegt Opel beispielsweise, mit Fahrschulen zusammenzuarbeiten.

Professor Dr. Herrmann Wies Darauf Hin, dass der Eingriff durch den Menschen meist gefährlicher sei, als dies der Technik zu überlassen. Um die Sicherheit zu erhöhen, solle deshalb in Zukunft besser das Auto lenken und entscheiden.

Der Opel-Fachmann für elektrische Systeme Burkhard Milke trieb den Gedanken auf die Spitze: „Irgendwann wird es unverantwortlich sein, selbst zu fahren.“ Und das nicht zuletzt, weil die Ausfallwahrscheinlichkeit der Systeme in etwa so gering sei wie die Chance, vom Blitz getroffen zu werden. Rational betrachtet, führe menschliches Versagen zu viel mehr Unfällen. Trotzdem brauche es Zeit, Bedenken abzulegen. Dass dies aber geschehen wird, dessen ist sich Milke gewiss. Einen solchen Wandel zeigten Beispiele aus der Vergangenheit, wie die veränderte Einstellung zum Tragen eines Helms beim Skifahren – früher exotisch, heute ganz normal. Der Sicherheitsgedanke habe sich durchgesetzt.

Dr. Janina Loh fragte in die Runde, wie viel und wie überhaupt autonome Systeme entscheiden können sollen. Maschinen können nicht mit gesundem Menschenverstand situationsabhängige Entscheidungen treffen. Das habe gewissermaßen der Automobilhersteller über die Programmierung in der Hand – und trage damit eine große Verantwortung. Um dieser gerecht zu werden, müssten sich die verschiedenen Entwicklungsbereiche stets gegenseitig kontrollieren. Milke betonte, dass Opel hierbei Wert auf State of the Art-Engineering lege, um auch neutralen Prüfungen von außen standhalten zu können.

Doch sollte man Bewertungskriterien ins Fahrzeug implementieren und falls ja, wie? Hat im Zweifelsfall das Leben des Passagiers oder des Passanten Vorrang? Ethik und Moralvorstellungen lassen sich nicht wissenschaftlich erschließen; jegliche Berechnungen sind moralisch verwerflich. Professor Dr. Herrmann sieht die pragmatische Lösung: Bei der Entwicklung werde bisher nichts Wertendes programmiert, denn das verstoße gegen das Grundgesetz („Die Würde des Menschen ist unantastbar.“). Bevor das Fahrzeug zum Beispiel mit Fußgängern kollidiere, führt es eine Notbremsung durch oder prallt gegen eine Wand. Autonome Systeme seien hochkomplex und selbstlernend. Milke wies darauf hin, dass Systeme wie ESP und ABS heute schon eingreifen. Aus seiner Sicht ist es daher nicht zielführend, alle Schreckens-Szenarien vorher durchzuspielen. Stattdessen müsse pragmatisch gedacht werden: Bestehe auf bestimmten Straßen eine erhöhte Unfallgefahr, würde das Fahrzeug diese in Zukunft meiden.

Müssen selbstfahrende Autos eine Moral entwickeln?

http://bit.ly/2sn7IuW

Posted by Wired Germany on Tuesday, June 13, 2017

Damit verbunden kam die Haftungsfrage auf, falls es doch zum Unfall kommen sollte. Hier meldete sich Rechtsanwalt Wolfgang Schneider aus dem Publikum zu Wort. Es sei noch ein langer Weg, bis alle Fragen geklärt seien. Das westliche Wertesystem lasse rechtlich keine Wertung zu, daher könne man es Aus Heutiger Sicht nur „dem Zufall überlassen“, wer Schuld bekommt. Aus heutiger Sicht ist nach Schneider bei einem Unfall mit zwei autonomen Fahrzeugen die Schuld nicht zweifelsfrei feststellbar. Am naheliegendsten wäre dann eine 50/50-Zuweisung. Vermutlich müsse darüber hinaus das Wiener Übereinkommen aus den 1960er Jahren überarbeitet werden. Einige Staaten in den USA seien hier schon flexibler, denn dort gebe es weniger Regelungen und Beschränkungen. Das zeige im Übrigen auch, dass die Bestimmungen und Wertevorstellungen je nach Land variierten. Ein spannendes Feld, in dem noch viel Klärungsbedarf seitens Politik, Wirtschaft und Gesellschaft besteht.

Technikphilosophin Janina Loh über entscheidende Autos:

http://bit.ly/2tpUf1K

Posted by Wired Germany on Thursday, June 15, 2017



This post first appeared on Carinformation, please read the originial post: here

Share the post

Wird es „unverantwortlich, selbst zu fahren“?

×

Subscribe to Carinformation

Get updates delivered right to your inbox!

Thank you for your subscription

×