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„Zins ist der Preis für temporären Konsumverzicht.“

Als Hochschuldozent und Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) forscht Professor Dr. Michael Heuser zur finanziellen Absicherung und Geldanlage von Bürgern und Unternehmen in Deutschland. In seinen aktuellen Studien und Forschungsprojekten sind Inflation und Niedrigzins ebenso omnipräsent wie im Alltag. Im Rahmen einer Coaching-Veranstaltung äußerte Heuser seine Einschätzung zur aktuellen Situation.

Wie sehen Sie die aktuelle Lage, wird uns das Thema Inflation noch eine Weile begleiten?

Eindeutig ja, und zwar aus mehreren Gründen. Die Inflationserwartungen und ein enormer Hunger der globalen Wirtschaft nach Energie und Rohstoffen sorgen langfristig für weiterhin steigende Inflationsraten. Gleichzeitig merken wir, wie anfällig unsere Lieferketten sind – schon während der Pandemie und massiv jetzt während des Ukrainekriegs. Um zu starke wirtschaftliche Abhängigkeiten – zum Beispiel bei Energie, Mikrochips, medizinischen Produkten – zurückzufahren, sind hohe Investitionen notwendig, die wiederum ebenfalls die Inflation nach oben treiben. Ähnliches gilt auch für die Milliardeninvestitionen zum Erreichen der Klimaziele.

Welche Rolle spielen die genannten Inflationserwartungen für einen langfristigen Preisverfall?

Mit den Inflationserwartungen droht die beschleunigte Geldentwertung zu einer gesellschaftlichen Mentalität zu werden. Man erwartet höhere Kosten und erhöht vorsichtshalber die Preise. Im nächsten Schritt erwartet man höhere Preise und verlangt vorsichtshalber höhere Löhne und schließlich ist die Inflation quasi Normalität und es setzt sich eine Spirale in Gang. Eine solche Inflationsmentalität wieder zu brechen, ist mit massiven, schmerzhaften wirtschaftlichen Einbußen verbunden.

Die Inflation beschäftigt uns also noch länger, wie sieht das beim Niedrigzins aus? Wird der Ihrer Meinung nach bald wieder steigen?

Jein. Wir erleben, dass Zentralbanken wie die amerikanische Fed und nun wohl auch die EZB aus der ultralockeren Geldpolitik aussteigen. In der Folge werden sicher auch die Zinsen moderat ansteigen. Das löst aber das Problem nicht, wenn sich gleichzeitig die Inflation verfestigt.

Lassen Sie mich ein Beispiel machen: Sagen wir mal, eine Pizza kostet aktuell 10 Euro. Wenn ich heute 100 Euro habe, kann ich also entweder zehn Pizzen kaufen oder das Geld auf die Bank einzahlen. Bei zehn Prozent Zinsen habe ich nach einem Jahr 110 Euro. Bei einer Inflationsrate von 0 kostet die Pizza in einem Jahr weiterhin zehn Euro, sodass ich dann elf Pizzen kaufen kann. Zins Ist Der Preis für temporären Konsumverzicht, für den ich in diesem Fall belohnt werde. Anders bei Inflation: Nehmen wir an, der Zins liegt bei fünf Prozent, die Inflation aber bei zehn Prozent. Dann bekomme ich zwar nach einem Jahr 105 Euro von der Bank. Weil die Pizza aber nun 11 Euro kostet, bekomme ich dafür nicht einmal mehr die zehn Pizzen von vor einem Jahr. Nominal habe ich mehr Geld auf dem Sparbuch, dessen Kaufkraft ist aber geschrumpft.

Entscheidend für eine rentable Geldanlage ist nämlich nicht der Nominalzins, den ich von der Bank bekomme, sondern wie viel mir die Inflation davon übrig lässt. Das ist der Realzins, die Differenz von Nominalzins minus Inflationsrate. Erst wenn der Nominalzins höher als die Geldentwertung ist, wird mein temporärer Konsumverzicht belohnt. Umgekehrt lassen negative Realzinsen – die Inflation ist höher als der Bankzins – mein Sparbuch vielleicht sogar anwachsen, in realer Kaufkraft aber schrumpfen. Das wird auf absehbare Zeit unser Dilemma bleiben. Auch wenn die Nominalzinsen wieder steigen werden, werden sie unter den erwartbaren Inflationsschüben bleiben. Die Inflation frisst die Zinsen.

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